Stottern

Neue Hilfe für Stotterer

Für einige kann es eine Hilfe sein, aber leider nicht für alle. Die Kassen zahlen es auch nicht. So muss man die 4000€ selbst übernehmen.

Stottern

Als Stottern bezeichnet man eine Kommunikationsstörung, die durch stockendes Sprechen mit häufigen Unterbrechungen, mehrfachen Wiederholungen und Dehnungen einzelner Wortsilben gekennzeichnet ist. Für Zuhörer ist es meist schwierig, dem häufig unterbrochenen Redefluss zu folgen, während das Stottern für den Stotterer selbst eine enorme emotionale und psychische Belastung darstellt.

Stotterer

Etwa ein Prozent der Bevölkerung hat Sprachprobleme in Form des Stotterns. Die Symptome des Stotterns treten unfreiwillig auf und können vom Stotterer nicht beeinflusst oder kontrolliert werden. Häufig vermeiden Stotterer Situationen, in denen sie vor mehreren Zuhörern sprechen müssen, welche dann zwangsläufig auf das Stottern aufmerksam würden. Stotterer leiden neben dem eigentlichen Stottern oftmals auch unter Angst, Minderwertigkeitskomplexen und fehlenden sozialen Kontakten.

Stottern bei Kindern

Kinder durchlaufen mehrere Phasen der Sprachentwicklung. Häufig sprechen sie phasenweise nicht ganz flüssig, was sich aber bei den meisten Kindern rasch wieder verliert. Diese phasenweise auftretenden Unterbrechungen im Sprachfluss gehen auf die in diesem Alter noch nicht ganz abgeschlossenen Hirnreifungsprozesse zurück. Manchmal wird dieses entwicklungsbedingte unflüssige Sprechen im Kleinkindalter auch mit dem echten Stottern verwechselt. Der phasenweise unflüssige Sprachfluss lässt sich nur schwer vom echten Stottern abgrenzen. Jedoch sind die entwicklungsbedingten Unterbrechungen im Redefluss weicher und nicht so häufig.

Im Alter von drei bis vier Jahren treten bei Kindern die ersten Symptome des echten Stotterns auf. Bei den meisten gibt sich das Stottern noch vor der Pubertät. Auffällig ist, dass doppelt so viele Jungen wie Mädchen vom Stottern betroffen sind. Zudem zeigen sich die ersten Symptome bei den Mädchen früher als bei Jungen, verlieren sich aber auch eher wieder. Bleibt das Stottern bis nach der Pubertät erhalten, ist es wahrscheinlich, dass die Sprachstörung auch weiterhin fortbesteht. Ein Beginn des Stotterns nach dem 12. Lebensjahr ist eher unwahrscheinlich. Etwa ein Prozent aller Stotterer begleitet die Sprachstörung ein Leben lang. Eine Verbesserung kann aber in nahezu jedem Lebensalter durch eine Therapie erzielt werden. Eine Heilung des Stotterns ist leider meist nicht möglich, jedoch können die Symptome stark eingeschränkt bzw. beseitigt werden.

Stottern – Ursachen

Die Ursachen des Stotterns sind wissenschaftlich noch nicht restlos aufgeklärt. Mehrere Ursachen kommen in Frage. Dazu gehören genetische Ursachen, bei denen Stotterer eine erbliche Disposition bzw. Veranlagung mitbringen (Genmutationen). In manchen Familien tritt die Sprachstörung gehäuft auf und lässt sich über mehrere Generationen nachweisen. Erbliche Veranlagungen betreffen nach neuesten Untersuchungen etwa 70 bis 80 Prozent der Stotterer.

Auch neurologische Befunde bzw. organische Auffälligkeiten im Gehirn scheinen eine Ursache für das Stottern zu sein. Forscher haben bei Stotterern Veränderungen in der linken Gehirnhälfte festgestellt, die unter anderem die Sprachplanung koordiniert. Sind in diesem Areal bestimmte Nervenverbindungen gestört, kann es zum gestörten Sprachfluss kommen. Diese Veränderungen entwickeln sich während der Sprachentwicklung im Kleinkindalter.

Desweiteren gibt es noch psychogene Ursachen, die etwa bei 70% aller Stotterer nachweisbar sind. Bei diesen psychogenen Ursachen handelt es sich um bestimmte Lebensumstände des Stotterers in den ersten Lebensjahren während der Sprachentwicklung und Unterschiede bei der Entwicklung des Gehirns gegenüber Nicht-Stotterern. Meist finden sich bei Stotterern mehrere Ursachen bzw. ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, einem Auslöser und aufrechterhaltenden Faktoren.

Stotter-Therapie

Eine Heilung des Stotterns ist gerade im Erwachsenenalter kaum noch möglich. Mit verschiedenen Therapien wird jedoch versucht, die Symptome des Stotterns weitgehend einzuschränken.

Verhaltenstherapeutische Maßnahmen dienen der Desensibilisierung, der Annahme des Stotterns, der Analyse der Symptomatik und deren Modifizierung. In intensiven Einzel- oder Gruppentherapien wird erlernt, wie man bei Auftreten des Stotterns reagiert und so einen Weg findet, dieses zu kontrollieren und zu beeinflussen. Die Angst und negative Erwartungshaltung vor dem Stottern soll so abgebaut werden.

Eine andere therapeutische Maßnahme ist das Erlernen bestimmter Sprechtechniken, die zu einem flüssigeren Sprechen führen, so dass Stottern seltener auftritt. Bei diesen Sprechtechniken werden die Sprechbewegungen, die Atmung und die Anspannung der Muskeln kontrolliert. Hat der Stotterer eine gewisse Kontrolle über diese Prozesse, wird dieses künstliche Sprechen nach und nach dem natürlichen Sprechen angeglichen.

Empfehlenswert ist die Kombination der Sprachtherapie mit einer Psychotherapie, wenn der Stotterer unter starken psychischen Belastungen aufgrund des Stotterns leidet. Hilfestellungen bieten auch Entspannungstherapien wie Yoga, autogenes Training, Akupunktur, Hypnose, Verhaltenstherapie und effiziente Stressbewältigung. Nicht alle Stotterer sprechen gleich auf die unterschiedlichen Therapieformen an. Es gilt herauszufinden, was für den Einzelnen effizient ist.

Eine Sprachtherapie umfasst einen längeren Zeitraum und muss konsequent durchgeführt werden. Wichtig für den Stotterer ist, das in der Sprachtherapie Erlernte auch im Alltag anzuwenden. Der Sprachfluss und die Kommunikationsfähigkeit werden dadurch stark verbessert.

Stottern – Hilfe

Stotterer finden Hilfe und Therapien in logopädischen (sprachheilpädagogischen) Einrichtungen. Neue Therapieansätze aktivieren neue Hirnareale und ermöglichen durch konsequentes Üben die Kontrolle über die Unterbrechungen des Redeflusses. Die Regionen in der linken Gehirnhälfte, die gegenüber Normalsprechenden Abweichungen aufweisen, können nicht repariert werden. Ziel ist, dass das Sprechen so flüssig wird, dass es für die Zuhörer nicht mehr auffällig ist. Eine gute Therapie beeinflusst die aus dem Stottern resultierende Sprechangst positiv und steigert das Selbstwertgefühl.

Gegen Stottern im Kindesalter

Bereits im Alter ab 2 Jahren kann mit einer Sprachtherapie begonnen werden, wenn der Redefluss auffällig gestört ist. Je früher die Behandlung begonnen wurde, umso geringer ist die Möglichkeit, dass das Stottern chronisch wird. Ziel der indirekten Sprachtherapie ist es, die Sprechfreude des Kindes in Bewegungs- und Sprachspielen sowie Dialogübungen zu fördern. Die Eltern werden in diese Sprachtherapie mit einbezogen, um das Sprechen des stotternden Kindes auch im Alltag zu fördern.

Bei der direkten Sprechtherapie wird das Problem des Stotterns direkt angegangen. Die Kinder lernen Blockaden abzubauen und den Sprechfluss zu kontrollieren. Spezielle Sprechtechniken zur Vermeidung des Stotterns werden vermittelt und damit ein flüssigeres Sprechen ermöglicht.

Kinder fühlen sich bei der Gruppentherapie meist wohler und auch Erwachsene schätzen den Erfahrungsaustausch in der Gruppe. Manche Patienten mögen es lieber, wenn sie bei der Einzeltherapie in vertraulicher Atmosphäre einen Therapeuten an ihrer Seite haben, der sich intensiv mit ihnen allein beschäftigt. Ob Einzel- oder Gruppentherapie ist für das Ziel nicht entscheidend. Wichtig ist das konsequente Durchhalten der Therapiesitzungen über einen längeren Zeitraum und aktive Mitarbeit bei der Verbesserung des Sprachflusses.

Stottern Selbsthilfe

Die Bundesvereinigung der Stotterer Selbsthilfe e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Lebenssituation stotternder Menschen positiv zu beeinflussen. Dazu dienen sachliche Informationen, die den Betroffenen zugänglich gemacht werden sowie der Erfahrungsaustausch unter Betroffenen. In den örtlichen Stotterer-Selbsthilfegruppen haben sich Betroffene zusammen geschlossen und helfen sich gegenseitig auf dem Weg zu einer flüssigeren Sprechweise. Stotterer können sich in der Selbsthilfegruppe ungehindert austauschen, soziale Kontakte knüpfen und so die soziale Isolation vermeiden. Der Zusammenhalt der Gruppe gibt Vertrauen und stärkt das Selbstwertgefühl. Konkrete Hilfestellungen, Tipps, Möglichkeiten für Sprechübungen, gemeinsame Unternehmungen, Freude und Geselligkeit bieten die Selbsthilfegruppen, die es in mehr als 90 Städten Deutschlands gibt. Auskunft hierzu gibt die Bundesvereinigung der Stotterer-Selbsthilfe e.V.